Ausstellung „Mächtiger als das Schwert: Freiheit schreiben“

Chinesische Schriftzeichen um ein in flüchtigen Strichen gezeichnetes gallopierendes Pferd mit Reiter.
VOM WILLEN ZUR FREIHEIT – CHINA IM GLOBALEN KONTEXT: BEITRAG ZUM WISSENSCHAFTSJAHR "FREIHEIT"

Ausstellung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Landesakademie von Baden-Württemberg) und der Universität Heidelberg

11. Oktober 2024 

  • Ort: Alte Universität, Universitätsmuseum (externer Link), Augustinergasse 2, 69117 Heidelberg
  • Beginn:  Die Uhrzeit wird noch rechtzeitig bekanntgegeben.

Die Ausstellung findet im Rahmen des Wissenschaftsjahres „Freiheit", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, und als Teil der Reihe „PERSPEKTIVE: FREIHEIT“ der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften statt. Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Landesakademie von Baden-Württemberg) führt unter der Leitung des Mitglieds Prof. Dr. Barbara Mittler eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel „Vom Willen zur Freiheit – China im globalen Kontext“ durch, die auch in Kooperation mit der Universität Heidelberg, dem dort angesiedelten Konfuzius Institut und dem KlangForum Heidelberg veranstaltet werden. 

Waren alle Künste in China seit jeher untrennbar mit Politik und Strukturen der Macht verbunden, so insbesondere die Kalligraphie, die als eine Art Lingua franca, nicht nur das riesige Territorium mit seinen vielfältigen regionalen Kulturen und Dialekten zusammenhielt und so den kulturellen Zusammenhalt in dem riesigen Reich gewährleistete, sondern auch denjenigen, die die Disposition hatten, diese Medien zu nutzen und zu verstehen, sozialen Status verlieh und Zugang zur Macht gewährte. Die kulturelle Elite und die Beamten des chinesischen Reiches, die sogenannten Literati, die durch die kaiserlichen Prüfungen rekrutiert wurden, setzten Maßstäbe für die traditionelle Kultur. Die erfolgreich bestandenen kaiserlichen Prüfungen (keju kaoshi 科举考试) waren der Schlüssel zu Positionen in der kaiserlichen Verwaltung und damit zum sozialen Aufstieg. Das Hauptelement dieser Prüfungen bestand darin, nach strengen stilistischen Regeln Aufsätze oder Gedichte zu Themen aus den kanonischen Schriften zu verfassen. Doch nicht nur der literarische Stil und das Verständnis der Klassiker waren dabei Qualitätskriterien, sondern vor allem auch die Handschrift des Prüflings, sein kalligraphischer Stil. Nach Pierre Bourdieus Konzept des kulturellen Kapitals hatten die Literaten auf gleich mehrfache Weise Teil an diesem kulturellen Kapital: 1. inkorporiert– sie erbten und erwarben die Disposition, kulturelle Objekte zu verstehen und zu konsumieren, 2. den objektiviert – sie besaßen Sammlungen antiker Gegenstände, Gemälde und Kalligraphien, sowie 3. institutionalisiert – sie verfügten über akademische Grade und Titel und waren daher die Instanz, die gültige ästhetische Urteile abgab. Die so sich manifestierende enge Verknüpfung von Kunst und Kalligraphie mit Politik und den dahinterliegenden Machtstrukturen resultierte in einer subtilen Codierung der repräsentierten Inhalte und verlieh der Kalligraphie, wie auch der damit eng verwandten traditionellen Tuschmalerei, ein transformatives, revolutionäres Potential.

Die Ausstellung mit dem Titel "Mächtiger als das Schwert: Freiheit schreiben", die ab Oktober im Universitätsmuseum zu sehen sein wird, zeigt zeitgenössische Positionen, die sich dieses Potentials von Kalligraphie und Kunst bedienen. Sie vereint die Arbeiten von drei zeitgenössischen Künstlern chinesischen Ursprungs: Huang Rui 黄锐 (*1952, lebt in Beijing und Paris), Yang Jiechang 杨诘苍 (*1956, lebt in Heidelberg und Paris) und Zheng Guogu 郑国谷 (*1970, lebt in Yangjiang) und der Yangjiang Group 阳江组.

Martina Köppel-Yang
(Kuratorin der Ausstellung)


Hinweise:

Im kommenden Athene-Magazin (interner Link), das im Juni zum Thema "Freiheit" erscheint  wird ein ausführlicher Beitrag zu der Ausstellung sowie zu den anderen Veranstaltungen der Akademie, die im Rahmen des Wissenschaftsjahres  stattfinden, erscheinen. 

Die Wissenschaftsjahre (externer Link) sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (externer Link) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (externer Link). Die Akademienunion (externer Link) und ihre Mitgliedsakademien beteiligen sich regelmäßig mit verschiedenen Beteiligungsformaten an den Wissenschaftsjahren.

Weitere Informationen:

Zum Wissenschaftsjahr 2024 "Freiheit" (externer Link)

Weitere Veranstaltungen der Wissenschaftsakademien (externer Link) zum Wissenschaftsjahr "Freiheit"

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