Wir forschen WEITER. Für Sie.

Zwischen Homeoffice und Homeschooling – an der Akademie wird weiter geforscht und gearbeitet. Wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einzelner Forschungsstellen dies erleben, schildern sie hier...

 

Haidle_Homeoffice

PD Dr. Miriam Noël Haidle
Forschungsstelle "The role of culture in early expansions of humans"

Woran arbeiten Sie gerade?

Neben der Redaktion für einen Tagungsband bin ich gerade dabei, mit einer Kollegin des Archäologischen Museum Frankfurt ein Ausstellungskonzept zu den Anfängen menschlicher Kultur zu entwerfen.


Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Ich habe meinen Schreibtisch ins Schlafzimmer umgezogen, so dass jede/r in unserer Familie einen eigenen Arbeitsraum hat. Der Wohnbereich bleibt dadurch als gemeinsamer Bereich 'arbeitsfrei'. Gelegentlich setze ich mich frühmorgens mit dem Laptop auf die Terrasse unter den blühenden Kirschbaum.


Was nehmen Sie aus der gegenwärtigen Situation für die Zukunft mit?

Unsere Forschungsstelle ROCEEH trifft sich nun ein mal wöchentlich via Skype, um die wichtigsten Dinge zu besprechen. Wir planen, dies auch nach Corona-Zeiten beizubehalten, um bei unseren monatlichen Treffen der beiden Arbeitsstellen mehr Zeit noch für inhaltliche Diskussionen zu haben. Trotz körperlicher Distanz erfahren wir gerade ein persönlicheres Miteinander und eine engere Vernetzung durch digitale Hilfsmittel wie eine eigene ROCEEH-Cloud.
 

Mit welchen Problemen hadern Sie?

Auf der Suche nach geeigneten digitalen Angeboten probieren wir von ROCEEH Verschiedenes aus, was natürlich einige Zeit frisst und auch ermüdet. Im Sommer haben wir eine Tagung geplant, für die wir nun, parallel zur regulären Planung, die Möglichkeit einer Online-Veranstaltung ausloten.


Können Sie der Situation auch positive Aspekte abgewinnen?

Man lernt viele Menschen intensiv und von ganz neuen Seiten kennen, positiven wie negativen.


Was vermissen Sie am meisten?

Da alle aus der Familie gleichzeitig zuhause arbeiten: vier oder fünf Stunden am Stück konzentriert allein!
 


 

PD Dr. Sebastian Kaufmann
Forschungsstelle „Nietzsche-Kommentar“

Woran arbeiten Sie gerade?

Momentan bin ich mit den Abschlussarbeiten am zweibändigen, ca. anderthalbtausendseitigen historisch-kritischen Kommentar zu Nietzsches Werk Die fröhliche Wissenschaft (1882/1887) beschäftigt, für den ich innerhalb der Forschungsstelle seit 2015 verantwortlich zeichne. Die Rohfassung ist bereits fertig, jetzt geht es vor allem darum, noch fehlende Forschungsliteratur einzuarbeiten, Zitate und Literaturhinweise zu ergänzen und zu überprüfen sowie last not least das gesamte Drucktyposkript einer gründlichen Korrekturlektüre zu unterziehen. Bei dieser werden dann auch die Kollegen und Kolleginnen aus der Forschungsstelle helfen, denen ich das Typoskript des ersten Bandes schon im Juni zum Gegencheck schicken zu können hoffe. Abschließend sind dann auch noch Begriffs- und Personenregister zu erstellen. Da der fertige Kommentar bis Jahresende beim Verlag eingereicht werden sollen, habe ich derzeit alle Hände voll zu tun.
 

Mit welchen Problemen hadern Sie?

Glücklicherweise liegt ein großer Teil meiner Arbeitsmaterialien in digitaler Form vor, so dass ich auch trotz geschlossener Bibliotheken von zu Hause aus effektiv weiterarbeiten kann. Wichtige online-Forschungsplattformen wie Nietzsche Source oder Nietzsche online sind entweder frei oder über Lizenzen der UB Freiburg zugänglich. Allerdings gibt es natürlich auch eine Reihe von Texten, die nur über analoge Bibliotheksbestände zu erhalten sind, so dass sich da ein gewisser Rückstau bildet, der erst abgearbeitet werden kann, wenn die Seminarbibliotheken sowie die UB hoffentlich bald wieder öffnen. Etwas gravierender sind für mich als Vater von zwei Schulkindern (zweite und fünfte Klasse) die Zeitmanagement-Probleme, die sich aus den fortdauernden Schulschließungen und dem damit verbundenen Homeschooling ergeben. Die Kinder erhalten zwar von ihren Schulen regelmäßig Aufgaben und Lernmaterialien, aber die können sie in diesem Alter natürlich noch nicht ganz selbstständig bearbeiten, sondern brauchen dabei Anleitung und Unterstützung, was durchaus zeitintensiv ist. Insofern hoffe ich insbesondere auch darauf, dass die Schulen – bei allen erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen – bald wieder den regulären Unterrichtsbetrieb aufnehmen oder zumindest auf synchrone digitale Lehrformate umstellen.


Können Sie der Situation auch positive Aspekte abgewinnen?

Abgesehen von den geschilderten Problemen haben sich für meine Arbeit durchaus auch positive Auswirkungen aus der Corona-Krise ergeben. Durch ausgefallene Konferenzreisen, aber auch durch abgesagte Besuche von Bekannten und Verwandten sowie nicht zuletzt durch den verschobenen Beginn der Vorlesungszeit ist es mir in den vergangenen vier Wochen möglich gewesen, insgesamt noch etwas kontinuierlicher und konzentrierter am Kommentar zu arbeiten, als ich es unter normalen Umständen geschafft hätte. Tatsächlich kann ich bisher bilanzieren, dass die Corona-bedingte allgemeine Ablenkungsfreiheit dem einsiedlerischen, meditativen Geschäft der konkreten Forschungsarbeit am heimischen Schreibtisch eher zu- als abträglich ist.
 


 

Prof. Dr. Andreas Deutsch
Leiter der Forschungsstelle "Deutsches Rechtswörterbuch"

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Andreas Deutsch

Wir sind sehr dankbar, dass wir weiterhin arbeiten dürfen. Anders als viele andere wissenschaftliche Einrichtungen ist unsere Forschungsstelle nicht geschlossen. Dennoch haben sich die Abläufe deutlich verändert. Einige aus dem Team haben (zum Beispiel weil sie einer Risikogruppe angehören oder weil sie kleine Kinder haben, die derzeit nicht in den Kindergarten können) teilweise oder ganz ins Homeoffice gewechselt. Dadurch sind Büroarbeitsplätze frei geworden, sodass es nun möglich ist, dass immer nur eine Person in einem Raum arbeitet. Redaktionssitzungen finden derzeit keine statt. Besprechungen über einzelne Fachfragen werden zu zweit oder zu dritt mit gehörigem Abstand – oder aber per Telefon – durchgeführt.
 

Bringen diese Veränderungen nicht große Reibungsverluste mit sich?

Das ist nicht zu bestreiten. Immerhin haben wir uns schon sehr frühzeitig, als es in Deutschland noch keinerlei Beschränkungen gab, in Anbetracht der damaligen Medienberichte aus China und Italien auf die jetzige Situation eingestellt und bestmöglich vorbereitet. So wurden möglichst viele Korrekturbesprechungen vorgezogen und Arbeiten, die von zuhause aus möglich sind, zurückgestellt. Die Bearbeitung von Wörterbuchartikeln ist im Homeoffice freilich nur sehr eingeschränkt möglich. Mit unserer großen Wörterbuchdatenbank, über welche auch alle neuen Artikel erfasst werden, kann aus rechtlichen wie praktischen Gründen nur hier in der Forschungsstelle gearbeitet werden. Ein Zugriff über das Internet wäre zudem ein zu großes Sicherheitsrisiko. Sehr dankbar bin ich daher einer Mitarbeiterin, die binnen weniger Tage ein kleines Programm auf html-Basis entwickelt hat, mit welchem fertig gestellte Wörterbuchartikel mit Hilfe der online verfügbaren Quellen überprüft und korrigiert werden können. Da profitieren wir nun selbst von unserer sehr leistungsstarken, frei zugänglichen Onlineversion des Wörterbuchs (www.deutsches-rechtswoerterbuch.de). Ein ganz neues Tool wird es zudem bald ermöglichen, auch Wörterbuchartikel am heimischen Schreibtisch zu erstellen. Natürlich geht dies nur sehr eingeschränkt – ohne Zugriff auf die Wörterbuchdatenbank und ohne die in der Forschungsstelle verfügbaren Quellentexte, Fachbücher und sonstigen Hilfsmittel.
 

Was bedeutet dies alles für Ihr Forschungsprojekt?

Die Forschungsprojekte im Akademienprogramm haben enge Zeitvorgaben. In regelmäßigen Abständen wird überprüft, ob wir unser Soll erfüllt haben. Den Zeitplan einzuhalten ist bei einem Wörterbuchprojekt auch sehr wichtig, damit nicht alles aus den Fugen gerät. So müssen wir bis zum Spätsommer das nächste Doppelheft des DRW fertigstellen. Etwas mehr als 1000 neue Wörterbuchartikel müssen bis dahin geschrieben und korrigiert sein. Das ist Jahr für Jahr eine Herausforderung. Ich hoffe, wir werden dies auch in Zeiten von Corona hinbekommen. Sorgen bereitet mir dies schon. Aber, wie gesagt, deutlich überwiegt die Dankbarkeit, dass wir trotz Corona arbeiten dürfen und können, anders also so viele andere Menschen weltweit.


 

Dr. Sabine Arend
Forschungsstelle „Theologenbriefwechsel im Südwesten des Reichs in der Frühen Neuzeit (1550-1620)“

Woran arbeiten Sie gerade?

Momentan verzeichne und transkribiere ich Briefe von Theologen aus dem Südwesten des Reichs im 16. und frühen 17. Jahrhundert. Dazu gehören auch diejenigen von Thomas Erastus, der seit 1558 Professor für Medizin an der Universität Heidelberg war und der als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten beim Übergang der Kurpfalz zum Reformiertentum gilt. In den letzten Tagen bin ich zufällig auf Briefe gestoßen, in denen Erastus seinen Briefpartnern besorgt über die Seuche berichtete, die im Herbst 1574 in Heidelberg grassierte. Die Bedrohung erschien so groß, dass sowohl Kurfürst Friedrich III. als auch die Universität erwogen, die Stadt vorübergehend zu verlassen. Mit dieser Schilderung fühle ich mich in der aktuellen pandemischen Situation den Zeitgenossen im 16. Jahrhundert nicht nur emotional eng verbunden, sondern kann auch gut nachvollziehen, welche persönlichen Sorgen und Nöte die Menschen in Zeiten früherer Epidemien hatten.
 

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Ich habe mir einen kleinen, feinen Arbeitsplatz eingerichtet, an dem ich mit meinem Laptop sitze und von dem aus ich auch in den blauen Himmel schauen kann. Da Tisch und Stuhl nicht so ergonomisch sind wie im Büro, mache ich nach Feierabend noch ein paar Dehn- und Lockerungsübungen oder Yoga. Unter dem Stichwort „Quarantäne-workout“ gibt es auf youtube ja vielfältige Angebote zum Mitmachen.
 

Können Sie der Situation auch positive Aspekte abgewinnen?

Als Wissenschaftlerin bin ich es gewöhnt, auch zu Hause Forschung zu betreiben, Artikel zu schreiben oder Vorträge auszuarbeiten. Somit macht mir die Arbeit innerhalb meines privaten Umfelds nichts aus, im Gegenteil, ich kann den Umständen sogar den Vorteil abgewinnen, mich besonders intensiv auf die Themen und Inhalte der Briefe einlassen zu können.
 

Was vermissen Sie am meisten?

Neben dem sozialen Miteinander in der Forschungsstelle vermisse ich den direkten fachlichen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, den kurzen Weg ins benachbarte Büro, um eine Frage, etwa zur Handschrift oder zur Datierung eines Briefs, rasch klären zu können. Seit drei Wochen sind wir alle größtenteils im Homeoffice, aber wir bleiben per Telefon und e-Mail in Kontakt – und wir haben sogar gelernt, uns in Videokonferenzen auszutauschen!



Dr. Sabine Tittel
Forschungsstelle „Dictionnaire Étymologique de l'Ancien Français“ (DEAF)

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Schreibtisch zu Hause

Ich habe mir einen Arbeitsplatz auf dem Esstisch im Wohnzimmer aufgebaut. Mein Partner hat seinen auf dem Schreibtisch im Schlafzimmer, und unseren Sohn haben wir elternmäßig genötigt (Erpressung spielte dabei eine tragende Rolle!), den Schreibtisch in seinem Zimmer so aufzuräumen, dass die Arbeitsplatte unter Lego, Star-Wars-Kleinkram und Pokémonkarten wieder zum Vorschein kam. Jetzt erledigt er dort ganz zufrieden seine Schularbeiten, und jeder hat einen Raum für sich. Ich mag meinen Arbeitsplatz hier. Ich habe meinen Rechner mit einem zweiten, großen Bildschirm, einer externen Tastatur und einem Trackpad zu einem IT-Arbeitsplatz kombiniert, an dem ich viel besser und schneller arbeite, als an dem im DEAF-Büro… Fürs Ausblenden von familiären Störgeräuschen setze ich meine Kopfhörer auf und schicke mir konzentrationsfördernde Musik auf die Ohren. Klappt einwandfrei! Meistens zumindest, siehe unten…
 

Mit welchen Problemen hadern Sie? / Können Sie der Situation auch positive Aspekte abgewinnen?

Die Grundschule meines Sohnes schickt regelmäßig Emails. Darin schlägt sie uns Aktivitäten vor, die wir doch jetzt als Familie tun könnten, um der Langeweile zu begegnen. Die Emails sind wirklich nett, müssen aber irgendwie an andere Familien als die meine gerichtet sein. Richtig, wir sind jetzt alle wochenlang zu Hause. Alle, das sind bei uns Vater, Mutter, Kind. Der Alltag in normaleren Zeiten heißt: Vater ist unter der Woche nicht in Heidelberg, Kind ist bis nachmittags in der Schule oder im Sport, und Mutter arbeitet und macht das bisschen Haushalt und so. Läuft prima. Aber jetzt hocken und arbeiten wir in der Wohnung. Und das geht ungefähr so: Kind macht natürlich Homeschooling und hat 1000 Fragen, hat Hunger, Mann hat Hunger, hat aber pausenlos Telkos und kann vom Arbeitsplatz nicht weg, Waschmaschine piepst, Wäsche passt aber nicht mehr auf den Wäscheständer, dann brauche ich einen Kaffee, dann haben alle Hunger … aarrgghhh! Aber am Ende des Tages gehen wir uns zu dritt „lüften“ und machen einen Spaziergang über das Handschuhsheimer Feld, die Sonne scheint dort auch am frühen Abend noch, später lesen wir noch gemeinsam vor – zurzeit Harry Potter Band 6 –, und alles ist gut. Und nach 9 Uhr abends kann ich mich dann auch ohne Kopfhörer ganz in Ruhe wieder an meinen Arbeitsplatz setzen. So viel Zeit zusammen hatten wir jahrelang nicht mehr. Und auch, wenn bei uns wirklich viel gearbeitet wird und ich die Schul-Emails alle schnell lösche, ist es eine ganz besondere Zeit als Familie und tut gut. Könnte ich öfters mal haben!



Dr. Julia Becker
Forschungsstelle „Klöster im Hochmittelalter. Innovationslabore europäischer Lebensentwürfe und Ordnungsmodelle“

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite gerade an einer Neuedition des Scutum canonicorum des Regularkanonikers Arno von Reichersberg aus dem 12. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um eine Art Verteidigungsschrift der relativ neu entstandenen Gemeinschaft reguliert lebender Kleriker. Neben konkreten Vorschriften zur Kleider- und Haartracht, Enthaltsamkeit, Handarbeit und täglichen Liturgie geht es dabei immer wieder um die Frage, welche Lebensweise höherwertig sei und welche Gemeinschaft das „wahre“ apostolische Leben führe: die Mönche oder die Regularkanoniker? Anhand der erhaltenen mittelalterlichen Handschriften überprüfe ich Veränderungen bei der Überlieferung des Textes, erstelle eine deutsche Übersetzung und kommentiere den Text.

Zu diesem Themenkomplex bereite ich außerdem gerade eine Quellenübung für Studenten der mittelalterlichen Geschichte im Sommersemester vor und plane einen kleinen Workshop mit einem Kollegen. In welcher Form diese Quellenübung dann tatsächlich stattfinden wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Es bleibt also spannend…
 

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Grundsätzlich hat meine Arbeit als Historikerin den großen Vorteil, dass sie nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden ist, sondern auch flexibel von zuhause aus erledigt werden kann. Ich arbeite stets mit einem Laptop, da ich ja auch teilweise die Handschriften in den Bibliotheken einsehen muss. Jetzt musste ich mir etwas Platz am Schreibtisch meines Mannes erkämpfen und den Kindern klarmachen, dass ich zwar zu Hause bin, aber trotzdem arbeiten muss. Daher kann es bei Telefonaten oder Videokonferenzen mit meinen Kolleginnen und Kollegen nun manchmal auch etwas turbulenter zugehen.
 

Was nehmen Sie aus der gegenwärtigen Situation für die Zukunft mit?

Die plötzliche Reduzierung der Veranstaltungen und die Entschleunigung des Alltags waren zu Beginn für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Doch die Konzentration auf die Kernfamilie und meine wissenschaftliche Arbeit hat durchaus viele positive Seiten. Ein großer Vorteil ist sicherlich die Tatsache, dass wir nun gezwungen sind, uns mit den Fragen der digitalen Lehre auseinanderzusetzen. In diesem Punkt hinken wir im europäischen Vergleich sicherlich hinterher (wie wir nun im Vergleich mit den italienischen Cousins meiner Kinder feststellen konnten). Aber natürlich können diese digitalen Kommunikationsformen nicht adäquat den persönlichen und oft spontanen Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen ersetzen.



PD Dr. Julia Burkhardt
Forschungsstelle „Klöster im Hochmittelalter. Innovationslabore europäischer Lebensentwürfe und Ordnungsmodelle“

Woran arbeiten Sie gerade?

Arbeitsplatz

Gerade arbeite ich an einer Neuausgabe der „Acht Wunderbücher“ des Zisterziensermönchs Caesarius von Heisterbach. Das ist eine Sammlung mit unterhaltsamen und wunderbaren Alltagsgeschichten aus dem 13. Jahrhundert. Ich überprüfe die mittelalterlichen Handschriften, in denen dieser Text enthalten ist: Woher kamen sie? Wer hat sie geschrieben? Was wurde am Text verändert? Das ist spannend, ein wenig wie Detektivarbeit.

Parallel bereite ich eine Vorlesung zur mittelalterlichen Geschichte für das Sommersemester vor – eine große Herausforderung, denn die Lehre findet an der Uni Heidelberg nun digital statt.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in Zeiten von Corona aus?

Als Historikerin habe ich natürlich einen großen Vorteil: Ich kann flexibel von zuhause aus arbeiten, weil ich im Wesentlichen meinen Computer und Bücher benötige. Trotzdem hat sich viel verändert: Probleme und Fragen bespreche ich mit meinen Kolleginnen und
Kollegen nun telefonisch oder digital – beispielsweise in Videokonferenzen.

 

Was nehmen Sie aus der gegenwärtigen Situation für die Zukunft mit?

Ich versuche, den Corona-bedingten Beschränkungen positive Dinge abzugewinnen: Durch den Wegfall vieler Veranstaltungen und die Entschleunigung des Alltags bleibt mehr Zeit, wissenschaftliche Fragen gründlicher zu durchdenken. Gut finde ich auch, dass mehr digitale Kommunikations- und Arbeitsformen zur Anwendung kommen. Gleichzeitig fehlt mir der direkte Austausch mit Kolleginnen und Kollegen – das macht man sich sonst vielleicht nicht so bewusst.