Vorträge der Preisträger der HAdW

Preise 2018

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften vergibt 2018 sechs Preise an junge Forscher. In Vorträgen stellen die Preisträger ihre ausgezeichneten wissenschaftlichen Arbeiten der interessierten Öffentlichkeit vor. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

Dem Förderverein der Akademie und mehreren Stiftern ist es zu verdanken, dass jährlich (beim Otto Schmeil Preis alle zwei Jahre) junge Wissenschaftler von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für ihre Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet werden.

Akademiepreis
DR. PASCAL STADLER | Konstanz
„Quantenmechanik in makroskopischen Systemen"

Eine fundamentale Aufgabe der Grundlagenforschung beschäftigt sich mit der Frage, ob die Quantenmechanik auch makroskopische Phänomene beschreibt. Um Quanteneffekte in makroskopischen Systemen zu beobachten, muss das System auf sehr tiefe Temperaturen gekühlt werden. In der Dissertation wurde ein neuartiges Konzept eines „Kühlaggregats“ entwickelt, um bestimmte makroskopische Objekte, nämlich freistehende Kohlenstoffnanoröhren, nahe an den absoluten Nullpunkt der Temperatur zu kühlen. Die Ergebnisse der Dissertation bilden eine ideale Voraussetzung um Quanteneffekte, die bisher mit mikroskopisch kleinen Objekten nachgewiesen wurden, auch in makroskopischen Objekten, wie freistehende Kohlenstoffnanoröhren, zu beobachten.

Karl-Freudenberg-Preis
DR. KRISTINA DÖRING | Heidelberg
Die Funktion des Chaperons Ssb: eine molekulare Anstandsdame für die Faltung neu-synthetisierter Proteine"

Jede Zelle enthält Tausende verschiedener Proteine, die jeweils eine spezifische Funktion übernehmen. Die Baupläne zu ihrer Herstellung sind in den Genen gespeichert. Große molekulare Maschinen der Zelle – die Ribosomen – nutzen die Information, um diese vielen verschiedenen Ketten aneinandergereihter Aminosäuren, aus denen die Proteine bestehen, herzustellen. Bereits während der Synthese beginnen diese Ketten eine jeweils einzigartige dreidimensionale Struktur anzunehmen. Dieser Prozess wird Proteinfaltung genannt und ist für die Funktion der Proteine essentiell. Falschgefaltete Proteine sind nicht nur inaktiv, sondern können die Zellen unter Umständen auch schädigen. Beispiele hierfür sind missgefaltete Proteine, die im Menschen Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer auslösen können. Um die Proteinfaltung zu unterstützen, enthalten alle Zellen eine Reihe molekularer Faltungshelfer, die sogenannten Chaperone. Einige dieser Chaperone binden direkt ans Ribosom, um die Faltung der Proteine bereits während der Synthese zu unterstützen. Wie dies geschieht, hat Kristina Döring im Rahmen ihrer Dissertation am Beispiel des Chaperons Ssb aus der Bäckerhefe untersucht.

Walter-Witzenmann-Preis
SIMON CUBELIC, M.A. | Heidelberg
„Die koloniale Restauration des Dharmaśāstra. Das Obligationenrecht in Sarvoru Śarmans Vivādasārārņava“

Die Herausbildung des britischen Kolonialstaats in Ostindien in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte weitreichende Folgen für die weitere indische Rechtsgeschichte. Als besonders einschneidend erwies sich der "Plan for the Administration of Justice in Bengal" von 1772, der nicht nur eine künstliche Unterscheidung zwischen einer hinduistischen und muslimischen Rechtsidentität einführte, die bis heute in Form des religiös fundierten Personenstandsrechtes Indiens fortlebt, sondern auch den Grundstein zur Kodifizierung dieser beiden Rechtskulturen auf der Grundlage normativen Schrifttums legte. In Konsequenz dieses Reformvorhabens wurden unter der Patronage der Kolonialregierung zahlreiche Rechtstexte in Sanskrit verfasst, die der Schaffung eines einheitlichen hinduistischen Zivilrechts dienen sollten und dadurch der traditionellen hinduistischen Jurisprudenz (Dharmaśāstra) und ihrer schriftlichen Überlieferung zu einer bis dahin beispiellosen Geltung in der Rechtspraxis verhalfen. Die Dissertation widmet sich einem dieser Auftragswerke: Sarvoru Śarmans Vivādasārārṇava („Ozean der Essenz der Streitigkeiten“). In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, mit welchen Absichten und Zielen gegen Ende des 18. Jahrhunderts, d.h. am Beginn der englischen Kolonialherrschaft über große Teile Indiens, von der Ostindienkompagnie in Bengalen Kodifizierungen des traditionellen indischen Rechts in Auftrag gegeben wurden.

Ökologie-Preis der Sigrid-und-Viktor-Dulger-Stiftung
DR. JOHANNES GÄRTTNER | Karlsruhe
„Portfoliokomposition und Tarifdesign zur Nutzung von Flexibilität im Smart Grid"

Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung der Energiewende. Sie liefert einen Ansatz, wie der sinkenden Steuerbarkeit der Stromerzeugung infolge der Integration erneuerbarer Energiequellen entgegengetreten werden kann, indem durch entsprechende Tarifstrukturen Flexibilität auf der Verbraucherseite aktiviert wird.

Manfred-Fuchs-Preis
DR. DR. HANJO HAMANN | Bonn/Mannheim
Würdigung des bisherigen wissenschaftlichen Werdegangs

Hamann wurde an der Universität Bonn zum Dr. iur. und an der Universität Jena zum Dr. rer. pol. promoviert. Derzeit habilitiert er sich in Jura an der Universität Mannheim und ist Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter in Bonn.

Otto-Schmeil-Preis
DR. SIMON HAAS und DR. LARS VELTEN | Heidelberg
„Von Bäumen zu Tälern: Blutentwicklung auf Einzelzellebene“

Die diesjährigen Preisträger werden für ihre gemeinsame Arbeit „Revising classical models of hematopoietic stem cell commitment by single cell analyses“ ausgezeichnet. Ihre Forschung beschäftigt sich mit dem Verhalten von Stammzellen im blutbildenden System auf der Einzelzellebene. Sie konnten nachweisen, dass sich Blutzellen im Knochenmark anders entwickeln, als bisher vermutet wurde. Die Ergebnisse tragen u.a. zu einem besseren Verständnis der Entstehung von Blutkrebs bei.

Ort:  Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Vortragssaal)
Datum: 8. Juni 2018
Beginn: 15:00 Uhr

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