Die Preisverleihung

Akademiepreis 2020

Dieses Jahr hat sich die Jury für den Astrophysiker Dr. Diederik Kruijssen entschieden. Der Preisträger wird für seine bedeutenden Beiträge zum Verständnis der astrophysikalischen Prozesse, die die Sternentstehung und die Bildung von Sternhaufen in Galaxien im Laufe der kosmischen Geschichte steuern, ausgezeichnet. In seiner Arbeit hat Kruijssen die zeitliche Abfolge der Sternentstehung in interstellaren Gaswolken rekonstruiert, er hat erklärt, unter welchen Bedingungen dieser Prozess zur Bildung der ältesten und massereichsten Sternhaufen führt, und er hat aus den beobachteten Eigenschaften dieser Haufen abgeleitet, wie sich die Milchstraße aus dem Verschmelzen kleinerer Galaxien zusammensetzt.

Dr. Diederik Kruijssen forschte als Ph.D.-Fellow von 2007 bis 2011 an den Universitäten Utrecht, Leiden und Cambridge, war von 2011 bis 2015 als Postdoc-Fellow am Max-Planck-Institut für Astrophysik tätig und ist seit 2015 ERC & Emmy Noether-Forschungsgruppenleiter am Astronomischen Rechen-Institut der Universität Heidelberg.


Karl-Freudenberg-Preis 2020

Dieses Jahr wird Dr. Moises Exposito-Alonso für seine Arbeiten zur molekularen Entwicklungs- und Evolutionsbiologie ausgezeichnet. Er untersuchte auf breiter Basis anhand der Pflanze Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana), ob und wie gut Pflanzen sich an die Veränderungen des Weltklimas und an andere rapide Umweltveränderungen anpassen können. Sein Ziel war zu verstehen, wie Selektion und Anpassung in der Natur funktionieren. Um zu seinen bahnbrechenden Ergebnissen zu gelangen, arbeitete er einerseits aus der Perspektive der Populations­genomik und andererseits mit Feldversuchen in Deutschland und Spanien. Exposito-Alonso wurde 2018 am Max-Planck-Institut für Entwicklungs­biologie in Tübingen promoviert. Seine Dissertation wurde bei Nature unter dem Titel „Natural selection on the Arabidopsis thaliana genome in present and future climates“ veröffentlicht. In diesem Jahr wurde er in die weltweit geführte Forbes-Liste „30 under 30“ im Bereich „Science & Healthcare“ aufgenommen. Er ist derzeit Nachwuchsgruppenleiter am Department of Plant Biology bei der Carnegie Institution for Science in Stanford. 


Walter-Witzenmann-Preis 2020

 

Der Preis geht in diesem Jahr an den Islamwissenschaftler Max Stille, der sich in seiner Arbeit „Islamic Sermons and Public Piety in Bangladesh: The Poetics of Popular Preaching“ dem wenig erforschten Thema islamischer Volkspredigten in Bangladesch aus verschiedenen disziplinarischen Richtungen nähert. Die Institution der sogenannten „waz mahfils“ erfreut sich insbesondere in den sozial schwachen Bevölkerungsschichten Bangladeschs großer Beliebtheit und stellt einen wichtigen politischen Einfluss dar, wird jedoch bislang häufig als islamistische Propaganda wahrgenommen und daher von akademischer Seite gemieden. Stille plädiert in seiner Arbeit für eine weitergehende Betrachtung der verschiedenen religiösen, sozialen und poetischen Ebenen dieser Predigtform, nicht zuletzt auch als Partizipationspraxis der arbeitenden Klassen.


Manfred-Fuchs-Preis 2020

In diesem Jahr wird er von zwei herausragenden Wissenschaftlern geteilt:

der Biochemiker Prof. Dr. Florian Stengel erforscht seit 2015 als Emmy-Noether-Gruppenleiter und Juniorprofessor am Fachbereich Biologie der Universität Konstanz die Organisation des menschlichen Proteoms in Raum und Zeit und unter gesundheits- und krankheitsrelevanten Aspekten. Hierzu entwickelt er neue, integrierte Ansätze in der Massenspektrometrie und nutzt eine Kombination aus Ansätzen der Chemischen Biologie, Biochemie, Biophysik und rechnergestützten Modellierungen.

PD Dr. Mark R. C. Grundeken ist Privatdozent und Akademischer Rat a. Z. am Institut für Biblische und Historische Theologie (Arbeitsbereich Neutestamentliche Literatur und Exegese) an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Er untersucht als Theologe und Religionswissenschaft­ler frühchristliche Schriften der ersten beiden Jahrhunderte. Seine Forschung schlägt eine interdisziplinäre Brücke zwischen der neutestamentlichen Exegese, Alten Kirchengeschichte, Klassischen Philologie, Philosophie- und Religionsgeschichte. Dabei verbindet er philologisch-historische, literatur­wissenschaftliche sowie kultur- und mentalitätsgeschichtliche Methoden und Perspektiven.


Ökologiepreis der Viktor-und-Sigrid-Dulger-Stiftung 2020

Der diesjährige Preisträger ist der Verwaltungsrichter Dr. Peter Zoth.

Er untersucht in seiner prämierten Arbeit rechtliche Instrumente für das Dürre-Management in Spanien und Baden-Württemberg unter besonderer Berücksichtigung des Wasserrechts. Ausgangspunkt dieses Vergleichs verschiedener Rechtssysteme ist die Frage, inwiefern das bereits stark auf den Umgang mit Dürreperioden ausgerichtete spanische Wasserrecht als Vorbild für Rechtsvorschriften in Hinblick auf Dürreepisoden der nahen Zukunft in Baden-Württemberg sein kann. Hiermit reagiert die Arbeit auf abschätzbare Folgen des Klimawandels und gibt zugleich einen Handlungsrahmen vor, der ihre ökonomischen und humanitären Folgen begrenzen könnte.

Dr. Peter Zoth ist seit 2018 Richter auf Probe am Verwaltungsgericht Stuttgart.


Otto Schmeil Preis 2020

In diesem Jahr geht der Preis an Dr. Margarida Cardoso-Moreira für die bahnbrechende Dekodierung derjenigen Gene, die die Entwicklung von Organen bei Säugetieren vor und nach der Geburt bestimmen. Es gelang der Biologin zum ersten Mal die genetischen Programme zu entschlüsseln, die die Entwicklung der wichtigsten Organe bei Menschen und anderen Säugetieren - Rhesusaffen, Mäuse, Ratten, Kaninchen und Opossums - vor und nach der Geburt steuern. In ihrer Arbeit identifizierte sie die molekularen Netzwerke, die bereits vor 200 Millionen Jahren die Organentwicklung der frühen Säugetiere kontrollierten. Es konnten auch eine große Anzahl von Genen aufgezeigt werden, deren Aktivitätsmuster bei den verschiedenen Säugetierarten deutlich voneinander abweichen. Diese Unterschiede, die im Laufe der Evolution entstanden sind, erklären spezifische Organmerkmale der jeweiligen Spezies. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg in der von Prof. Dr. Henrik Kaessmann geleiteten Forschungsgruppe „Evolution of mammalian genomes“.