
Für seine Dissertation zu nachhaltigen Polyethylenen wurde der Chemiker Maximilian Baur am 7. November 2025 von der Stiftung des „Verbandes angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie“ (VAA-Stiftung) mit dem Exzellenzpreis geehrt. Entstanden ist die Arbeit mit dem Titel „Catalytic Synthesis of in-chain keto-functionalized polyethylene materials“ in der Konstanzer Arbeitsgruppe von Stefan Mecking. Neben Baur erhielten mit Ieva Cechanaviciute-Misiune, Jakob Reichstein und Joe Hajjar drei weitere ForscherInnen die mit jeweils 5.000 Euro dotierte Auszeichnung.
„Die Ideen unserer Preisträgerinnen und Preisträger sind Bausteine für die Welt von morgen. Sie verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit Verantwortung für die Zukunft – genau diese Haltung braucht unsere Industrie jetzt mehr denn je“, so Thomas Fischer, Vorsitzender des Kuratoriums der VAA Stiftung, bei der Preisverleihung.
Ganz konkret untersuchte Baur in seiner Dissertation, für die er außerdem im Mai 2025 bereits den Karl-Freudenberg-Preis der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erhielt, wie durch den Einbau von chemischen Sollbruchstellen in die langen Polymerketten von Kunststoffen deren Abbaubarkeit erhöht werden kann. Durch die Verwendung von Nickel-Katalysatoren mit sterisch anspruchsvollen, sogenannten [P,O]‑Phosphinophenolat Liganden, gelang es ihm erstmalig, hochmolekulare Polyethylene herzustellen, in deren Ethylen-Grundgerüst Ketogruppen integriert sind.
„Ketogruppen können durch UV-Strahlung zersetzt werden. Die Keto-modifizierten Polyethylene, die ich in meiner Doktorarbeit synthetisiert habe, sind daher unter UV-Strahlung gut abbaubar“, erklärt Baur. „Da die Ketogruppen nur in geringem Ausmaß in den Polyethylenen verbaut sind, bleiben die gewünschten Eigenschaften von konventionellem Polyethylen vollständig erhalten.“
Baurs Forschungsergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren Umgang mit Polyethylen-Materialien. Sie bilden außerdem die Basis für zukünftige Entwicklungen von neuen Keto-Polyethylenen, deren Materialeigenschaften durch die Zugabe zusätzlicher funktioneller Monomere gezielt gesteuert werden können. Durchgeführt hat er seine Forschung im Rahmen des durch den Europäischen Forschungsrat geförderten Projekts „DEEPCAT: Degradable Polyolefin Materials Enabled by Catalytic Methods“ unter der Leitung von Stefan Mecking. Baur, der seine Promotion an der Universität Konstanz bereits im Juni 2024 abgeschlossen hat, forscht aktuell als Postdoc an der University of California Santa Barbara, wo er an einer heterogenen Katalyse zum Plastik-Upcyling arbeitet.
Ein Kurzinterview, das Baur anlässlich des Preises mit der VAA Stiftung geführt hat, finden Sie auf dem LinkedIn-Account der Stiftung. Über den Exzellenzpreis der VAA Stiftung Mit dem Exzellenzpreis zeichnet die VAA Stiftung jedes Jahr junge WissenschaftlerInnen für herausragende Forschungsarbeiten in den Bereichen Chemie, Pharmazie und Verfahrenstechnik aus. Im Fokus stehen dabei Arbeiten mit einem Anwendungsbezug für die industrielle Praxis. Der Preis ist mit 5.000 Euro pro PreisträgerIn dotiert.